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Weiß ist das neue Grün

Erinnern Sie sich noch an das graue Papier, auf dem Behördenbriefe bis vor wenigen Jahren verschickt worden. Grobe Fasern, eine bleiche Anmutung und saugstarkes Material, das unter längerer Sonneneinstrahlung ausblich, waren die üblichen Assoziationen, die man mit Recyclingpapier verband.

Diese Zeiten sind vorbei. Papierexperte Udo Hintze von der 2H GmbH & Co. KG, die zum Papiergroßhändler Igepa gehört, erklärt im Gespräch, was Recyclingpapier heute kann und welche Trends sich bei nachhaltigen Papieren abzeichnen!

Welche aktuellen Trends sehen Sie im Bereich Recyclingpapiere?

Udo Hintze (UH): Ganz generell kann man sagen, dass ungestrichene, haptische Papiere im Trend liegen. Eine Tendenz verweist dabei auf hochweiße Recyclingpapiere wie z. B. Circle Offset Premium white. Die Weiße dieses Papiers lässt das Auge keinen Unterschied mehr zu einem Frischfaserpapier erkennen. Das Papier wird daher gerne von Unternehmen aus der Automobilindustrie, dem Verlags- und Foodbereich eingesetzt. Aber auch die etwas gelblicheren Recyclingpapiere wie z. B. Circle Offset White und Circle matt white sind seit Jahren auf dem Markt etabliert. Es gibt sehr viele Kunden, die diese Papiere schon seit langem schätzen und sehr zufrieden damit sind. Unsere unterschiedlichen Circle-Papiere bilden damit die aktuellen Favoriten gut ab.

Was können hochmoderne Recyclingpapiere im Vergleich zu früher?

UH: Heute lassen sich alle Recyclingpapiere sehr gut bedrucken. Früher gab es oft Probleme mit Staub, der sich in der Druckmaschine oder im Kopierer festsetzte und häufig Ärger und Kosten verursacht hat. Aufgrund des heutigen Produktions- und Qualitätsstandards von Recyclingpapieren ist das grundsätzlich kein Thema mehr. Und was die Druckbrillanz anbetrifft: Mit entsprechenden Datenanpassungen bekommt man bei einer guten Recyclingpapierqualität vergleichbare Bildwiedergaben zustande, wie bei Standard-Offsetpapieren. Auch in der Weiterverarbeitung verhalten sich Recyclingpapiere vergleichbar zu Frischfaserpapieren.

Recyclingpapier ist gut für die Umwelt – so viel lässt sich pauschal sagen. Kann man denn sagen, wie hoch die Ersparnis von Ressourcen beim Einsatz von Recyclingpapieren durchschnittlich ist?

UH: Das ist eine Frage, die man pauschal nicht beantworten kann. Die Ersparnis hängt vom verwendeten Papier ab. Wie Sie wissen, liegt der ökologische Nutzen vor allem in der Fasergewinnung, d. h. es ist weniger aufwändig, aus Altpapier neue Fasern zu gewinnen als aus einem Baum. Das bedeutet für den Produktionsprozess weniger Chemikalieneinsatz, weniger Wasserverbrauch und einen niedrigeren CO2-Footprint. Natürlich beträgt die Einsparung an Holz immer 100 %. Aber es gilt auch: Ohne Frischfaserpapier gibt es kein Recyclingpapier! Hinzu kommt, dass eine Papierfaser nicht unendlich recycelbar ist. Die Fasern werden nämlich nach jedem Recyclingvorgang immer kürzer und eignen sich somit jedes Mal schlechter für einen hochwertigeren Einsatz. Es gilt die Faustregel: Eine Faser kann maximal 6 bis 7 Mal recycelt werden. Insofern muss bei der Berechnung von Einsparungen immer auch bedacht werden, wie die gesamte Wertschöpfungskette aussieht.

Was ist das Besondere am Recyclingpapier Circle matt white 135?

UH: Circle matt white ist ein gestrichenes Recyclingpapier aus 100 % Altpapier ohne optische Aufheller und mit dem Blauem Engel (Anm. d. Red.: Umweltzeichen für Recyclingpapier aus 100 % Altpapier) zertifiziert. Das Papier lässt sich sehr gut bedrucken und ist durch seine etwas gelblichere Färbung besonders lesefreundlich. Es ist daher auch das Geschäftspapier der Deutschen Post, die sich schon vor sehr vielen Jahren für 100%-iges Recyclingpapier entschieden hat.

Vielen Dank für das Gespräch und den Einblick in die Welt der nachhaltigen Papiere!

 

 

Eine gute Ökobilanz
Durchschnittsangaben Verbrauch pro Kilo Recyclingpapier Verbrauch pro Kilo Frischfaserpapier
Wasser 15 l 50 l
Energie 2 kWh 5 kWh
Fasergrundlage 1,2 kg Altpapier Fasern aus 1 kg faserigen
Bestandteilen von
insgesamt 2,2 kg Holz
Chemischer Sauerstoffbedarf (CSB)
als Maß für biologisch schwer abbaubare Substanzen
3 g 15 g

 

 

Wie Papierexperte Udo Hintze im Interview schon andeutete: Es ist unmöglich, den generellen Wert der Ressourceneinsparungen bei der Produktion von Recyclingpapieren zu ermitteln. Denn jede Papierfabrik und jede Papiersorte unterliegen unterschiedlichen Produktionsbedingungen und -standards. Deshalb hat DCT mit den eigenen Produktionsdaten gerechnet und eine individuelle Ökobilanz erstellt.

Ein paar griffige generelle Fakten gibt es dennoch: 2,5 kg Recyclingpapier entsprechen einer Holzersparnis von rund 5,5, kg. Und die 3 kWh, die man für die Produktion von 1 kg Recyclingpapiers spart, geben so viel Energie ab, dass man damit das Wasser für 210 Tassen Kaffee erhitzen könnte.
(Quelle: Forum Ökologie & Papier)

 

 

Porträt Hr. Hintze: Seit fast 40 Jahren im Bereich Papierproduktion und Papiergroßhandelt tätig: Udo Hintze, Key Account Manager und Produktmanager graphische Papiere bei der Igepa-Tochter 2H GmbH & Co. KG, im Gespräch über seine große Leidenschaft Papier.